Gespräche und Vorträge

Gegen die Abschiebung des iranischen Ehepaares Maria Pourbakshi und Hamidreza Mohamadkhari

Die Margit-Horváth-Stiftung enga­giert sich, um die dro­hende Abschie­bung der Bei­den zu ver­hin­dern. Wir haben eine Peti­tion online gestellt, wir sam­meln Geld, um zu hel­fen die Anwalts­kos­ten zu bezah­len, wir füh­ren Info­ver­an­stal­tun­gen durch und unter­stüt­zen Solidaritätskonzerte.

Die Ver­an­stal­tung am Sonn­tag, 22. Sep­tem­ber 2019, 18 Uhr, im Horváth-Zentrum wird über die aktu­elle Situa­tion von Hamid Moha­ma­dkhari und Maria Pour­bak­shi infor­mie­ren und, um dies bes­ser ein­schät­zen zu kön­nen, wird gleich­zei­tig die Situa­tion der poli­ti­schen Ver­fol­gung im Iran cha­rak­te­ri­siert wer­den. Damit will der „Unter­stüt­zer­kreis“ und die Margit-Horváth-Stiftung dem Pro­test gegen die dro­hende Abschie­bung der  Bei­den wei­te­ren Aus­druck verleihen.

Der Rechts­an­walt  von Hamid Moha­ma­dkhari und Maria Pour­bak­shi hat mit einem Eil­an­trag Ein­spruch gegen ihre dro­hende Abschie­bung erho­ben. Am 18. Sep­tem­ber wird dar­über ein Gericht in Wies­ba­den entscheiden.

Wei­ter­le­sen …

Die Identitäre Bewegung — Rechtsextreme Positionen im modernen Gewand

Die „Iden­ti­täre Bewe­gung“ ist mit ihrer Selbst­in­sze­nie­rung über Social Media höchst erfolg­reich, obwohl sie im deut­schen All­tag – im Unter­schied z. B. zu Frank­reich — noch rela­tiv klein ist.

Beleuch­tet wer­den beim Podi­ums­ge­spräch die Geschichte der iden­ti­tä­ren Bewe­gung, ihre ideo­lo­gi­schen Hin­ter­gründe sowie die Struk­tu­ren und Stra­te­gien der Vermarktung.

Fabian Jel­lon­nek ist ein her­aus­ra­gen­der Experte in die­ser The­ma­tik. Er arbei­tete als Bera­ter gegen Rechts­ex­tre­mis­mus und lei­tete den Bereich poli­ti­scher Extre­mis­mus bei Jugendschutz.net.

Jel­lon­nek ist Grün­der der Orga­ni­sa­tion  Achtsegel.org. Ihr Schwer­punkt liegt auf der Ent­wick­lung von Stra­te­gien gegen Hate-Speech und rechts­po­pu­lis­ti­sche Pro­pa­ganda im Netz.

Wie men­schen­ver­ach­tend, wie gefähr­lich ist das Gedan­ken­gut der Iden­ti­tä­ren für unsere demo­kra­ti­sche Ord­nung?

Hier vorab schon mal einige Ant­wor­ten auf diese Frage:

Sie stre­ben eine natio­nale Homo­ge­ni­tät an.

Sie wol­len keine Frem­den und keine Ver­mi­schung der Kulturen.

Per­so­nen aus der Nazi­zeit wer­den reingewaschen.

Für die Iden­ti­täre Bewe­gung ist die Gegen­wart deka­dent, weil sie Men­schen mit unter­schied­li­chen sexu­el­len Ori­en­tie­run­gen oder mit Behin­de­run­gen akzeptiert.

Bei der her­bei­ge­sehn­ten bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Situa­tion wür­den Gen­der­for­schung, Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setze und die Sozi­al­hilfe wegfallen.

Man arbei­tet mit Begrif­fen wie „Kopftuch“,“Integrationslüge“,“oder „Volks­ver­rat“, um die Hege­mo­nie über den öffent­li­chen Dis­kurs zu erhalten.

Man ver­sucht eine bür­ger­li­che Fas­sade mit rebel­li­schem Ges­tus auf­zu­bauen, um junge Men­schen für eine soge­nannte „Mit­mach­be­we­gung“ zu gewin­nen. Die tat­säch­li­chen Struk­tu­ren sind jedoch geschlos­sen und hierarchisch.

Nied­rig­schwel­lige Kon­takt­an­ge­bote wer­ben für ras­sis­ti­sches Gedan­ken­gut oder für Aktio­nen gegen die libe­rale Demokratie.

Die Iden­ti­tä­ren sind gut ver­netzt mit der AFD und deren Jugendorganisation.

Lite­ra­tur­tipp: Exper­tise  von F. Jel­lon­nek und P. Rei­nesch zur Medi­en­nut­zung der Neuen Rech­ten – darin auch zur Iden­ti­tä­ren Bewe­gung:  hier

Pres­se­be­richt­er­stat­tung zur Veranstaltung

Kein Dach über dem Leben” — Podiumsgespräch mit Richard Brox

Kom­men­den Sonn­tag (27. Jan.) wird Richard Brox um 17 Uhr zu einem Podi­ums­ge­spräch ins Mör­fel­der Museum kommen.

Brox ist Deutsch­lands sog. „berühm­tes­ter Obdach­lo­ser“. Er lebte 30 Jahre lang auf der Straße.

Er arbei­tete mit Gün­ter Wall­raff zusam­men, beriet ihn bei sei­nem Film „Unter null“ und ist nun selbst Bestsellerautor.

In sei­nem Buch „Kein Dach über dem Leben“ beschreibt er ein­drucks­voll seine schwie­rige Kind­heit u.a. mit Gewalt­er­fah­run­gen in Kin­der– und Jugend­hei­men, anschlie­ßend Dro­gen– und Alko­hol­sucht und Obdachlosigkeit.

Wer auf der Straße lebt, muss ler­nen, Gewalt, Hass, Hun­ger und Kälte zu ertra­gen. Für Richard Brox war die Straße aber auch ein Ort der Frei­heit und Selbst­be­stim­mung. Als Ber­ber hat er seine Würde nie ver­lo­ren. Er schaffte den Neu­an­fang und schal­tete eine Web­seite mit Tipps, Adres­sen und Bewer­tun­gen von sozia­len Anlauf­stel­len für „seine Brü­der“. So wurde er zu Deutsch­lands berühm­tes­ten Obdachlosen.

Jetzt hat er seine Bio­gra­fie geschrie­ben, hat sich sei­nen Trau­mata und Ängs­ten gestellt.

Mit dem Geld, das er über sein Buch und über Vor­träge ein­nimmt, will er ein Hos­piz und Hotel für Obdach­lose grün­den, will nun die Hilfe, die er selbst erfah­ren hat, weitergeben.

Mit ihm spricht Ulrike Hol­ler über Not­un­ter­künfte, Anlauf­stel­len, Armut in Deutsch­land, Hartz IV, den Man­gel an Woh­nun­gen und über den Umgang der Behör­den mit Obdachlos

Zur Pres­se­be­richt­er­stat­tung …

Vorab-Telefoninterview des Schü­ler­prak­ti­kan­ten Lukas Mau­rer mit Richard Brox:

Herr Brox, Sie sagen in Inter­views, dass die Obdach­lo­sen in vie­len Unter­künf­ten wie Dreck behan­delt wer­den. Was mei­nen Sie kon­kret damit?

Zum Bei­spiel: Du kommst in eine Not­un­ter­kunft, dort gibt es zwei Toi­let­ten. Die eine ist kaputt oder abge­schlos­sen und die andere ist ein­fach dre­ckig. Und wenn du wenigs­tens Toi­let­ten­pa­pier haben möch­test, ant­wor­tet dir der Mit­ar­bei­ter: „Du kannst ja wie­der gehen, wenn es dir hier nicht passt.“ Ein ande­res Bei­spiel: Das Bett, das dir zuge­wie­sen wird, stinkt nach dem Urin des Vor­gän­gers. Wenn du dich dar­über beschwerst, ant­wor­tet dir der Betreuer wie­der das gleiche.

Grund­sätz­lich sollte man beim Schla­fen den Haut­kon­takt mit dem Bett ver­mei­den, um sich keine Krank­hei­ten, wie zum Bei­spiel die Krätze, Viren­er­kran­kun­gen oder Kopf­läuse zu holen. Außer­dem teilst du dein Zim­mer nor­ma­ler­weise mit vie­len ande­ren Per­so­nen. Die meis­ten Obdach­lo­sen sind krank, viele sind HIV posi­tiv. Und wegen den vie­len Kon­flik­ten unter­ein­an­der ist es wich­tig, dass an Wochen­en­den und Fei­er­ta­gen auch nachts Betreuer da sind, die man im Zwei­fels­fall anspre­chen kann.   Die ver­schie­de­nen Grup­pen — Alko­ho­li­ker, Dro­gen­ab­hän­gige, Spiel­süch­tige oder psy­chisch Kranke — soll man unter­ein­an­der leben las­sen, aber nicht ver­su­chen sie zusam­men zu brin­gen, weil es sonst leicht zu Kon­flik­ten kom­men kann.

Das Leben auf der Straße ist sehr hart ist. Kann man sich denn irgend­wie dage­gen schützen?

wei­ter­le­sen …

Jahrestag: 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948 — 2018)

Aus Anlass des 70. Jah­res­ta­ges der Ver­kün­dung der all­ge­mei­nen Men­schen­rechte rufen wir dazu auf, sowohl in Mör­fel­den als auch in Wall­dorf eine Men­schen­kette zu bil­den — mit Text­le­sun­gen und abschlie­ßend einem Vor­trag, Musik und Video­schal­tun­gen nach Paris und Genf, dem heu­ti­gen Sitz des Menschenrechtsrates.

Mon­tag, den 10. Dezem­ber 2018 wol­len wir den 70. Jah­res­tag der Erklä­rung der Men­schen­rechte gemein­sam begehen.

Wir alle wis­sen, wie wich­tig es ist, dass wir uns wie­der ver­stärkt öffent­lich enga­gie­ren: Die wach­sende Wäh­ler­schaft für rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­teien ist in sehr vie­len euro­päi­schen Län­dern erschre­ckend. Auch die Ten­denz, auto­ri­täre Poli­ti­ker und auto­kra­ti­sche Sys­teme zu unter­stüt­zen, nimmt zu. Und natür­lich gilt: Keine Demo­kra­tie ohne demo­kra­ti­sches Enga­ge­ment der Bür­ge­rin­nen und Bürger.

Daher haben wir für die­sen Jah­res­tag in bei­den Stadt­tei­len Aktio­nen vorbereitet:

Am Nach­mit­tag in Mörfelden:

Um 15:30 tref­fen wir uns vor dem Mör­fel­der Rat­haus, bil­den eine Men­schen­kette und zitie­ren dazu prä­gnante Pas­sa­gen aus Sté­phane Hes­sels berühm­ter Schrift „Enga­giert euch!

Sté­phane Hes­sel (1917 — 2013) stammt aus Ber­lin, emi­grierte mit sei­ner Fami­lie nach Frank­reich, leis­tete dort Wider­stand, wurde ver­haf­tet, floh nach Eng­land, kam ille­gal für die Resis­tance nach Frank­reich zurück, wurde erneut ver­haf­tet und ins KZ Buchen­wald depor­tiert. Nach Kriegs­ende wurde er UNO-Diplomat und for­mu­lierte die all­ge­meine Men­schen­rechts­er­klä­rung mit.

2010 schrieb er im Alter von 93 Jah­ren den ener­gie­rei­chen Text “Empört Euch!”, der inner­halb kür­zes­ter Zeit in 40 Spra­chen über­setzt und mil­lio­nen­fach ver­kauft wurde.

Am Abend in Wall­dorf:

Um 18:00 tref­fen wir uns an die­sem Tage in Wall­dorf, bil­den eine Men­schen­kette vom Horváth-Zentrum bis zum buddh. Frie­dens­zen­trum und lesen dabei die vor 70 Jah­ren in Paris ver­kün­dete All­ge­meine Men­schen­rechts­er­klä­rung.

Unter­stüt­zer­or­ga­ni­sa­tio­nen spre­chen zudem in bei­den Stadt­tei­len eigene Statements.

19:00 im buddh. Zen­trum: Video­schal­tun­gen nach Paris und Genf, Musik mit „Ori­en­tal Jazz Quar­tett“ und ein kur­zer Vor­trag von Nicole Bro­der, Mit­ar­bei­te­rin des Bil­dungs­zen­trums Anne Frank und anschlie­ßend natür­lich die Mög­lich­keit zur Diskussion.

 

 

Warum wählen so viele Leute die AfD?

Das Podi­ums­ge­spräch mit Prof. Leg­ge­wie im Mör­fel­der Museum. Ulrike Hol­ler beginnt mit Fra­gen zur Geschichte der AfD und unter­schied­li­chen inhalt­li­chen Positionen.

Am 30. Novem­ber 2018 dis­ku­tie­ren im Mör­fel­der Museum Prof. Claus Leg­ge­wie und Oberstufenschüler*innen — unter der Mode­ra­tion von Ulrike Holler.

Claus Leg­ge­wie ist Pro­fes­sor für Poli­tik– und Kul­tur­wis­sen­schaft­ler, Mir­be­grün­der und Direk­tor des Zen­trums für Medien und Inter­ak­ti­vi­tät von 2001 — 2007 — mit For­schungs­auf­ent­hal­tenn und Gast­pro­fes­su­ren in Ber­lin, Wien, Paris, New York.  Von 2007 bis August 2017 lei­tete er das Kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Insti­tut Essen (KWI). Zum Win­ter­se­mes­ter 2015/16 wurde er vom Prä­si­den­ten der Justus-Liebig-Universität als ers­ter Amts­in­ha­ber auf die Lud­wig Börne-Professur beru­fen. Seine For­schungs­schwer­punkte sind viel­fach inter­kul­tu­relle Fra­gen wie z.B.: Vor­aus­set­zun­gen und Fol­gen der kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Glo­ba­li­sie­rung, euro­päi­sche Erin­ne­rungs­kon­flikte und Geschichts­po­li­ti­ken, Demo­kra­ti­sie­rung nicht­west­li­cher Gesell­schaf­ten etc.

Navid Ker­mani schrieb über ihn: “Claus Leg­ge­wie behan­delte 1990 die mul­ti­kul­tu­relle gesell­schaft nicht als etwas, das man ablehnt oder befür­wor­tet, begrüßt oder ver­ab­schie­det, son­dern als eine Wirk­lich­keit, die in ihrer Viel­falt zu beschrei­ben, zu ana­ly­sie­ren und zu gestal­ten ist.”

Sein Enga­ge­ment, sein pro­fun­des Wis­sen, seine hohe rhe­to­ri­sche Fähig­keit — das Publi­kum, das in Scha­ren gekom­men war, ist hoch­kon­zen­triert und dank­bar, einen solch bril­lan­ten Abend erle­ben zu dürfen.

Leg­ge­wie beschreibt zu Beginn des Podi­ums­ge­sprä­ches die Ent­wick­lung der AfD von der europa– und euro­kri­ti­schen Anfangs­phase bis hin zu rechts­po­pu­lis­ti­schen und auch rechts­ex­tre­men Positionen:

“Im Wech­sel der Par­tei­spitze von dem Wirt­schafts­pro­fes­sor Bernd Lucke über Frauke Petry zu Alex­an­der Gau­land und mit dem wach­sen­den Ein­fluss völkisch-autoritärer Poli­ti­ker wie Björn Höcke und der außer­par­la­men­ta­ri­schen Pegida-Bewegung ver­la­gerte sich der Schwer­punkt im Ver­lauf der „Flücht­lings­krise“ auf den Wider­stand gegen Immi­gra­tion v.a. ara­bisch­stäm­mi­ger und afri­ka­ni­scher Flücht­linge und gegen den Islam. Die AfD möchte die Auf­ar­bei­tung der NS-Vergangenheit und die angeb­li­che „Umvol­kung“ Euro­pas been­den. Ihr Schwer­punkt hat sich so von wirt­schafts­li­be­ra­len zu ethno-nationalistischen Posi­tio­nen ver­scho­ben; „popu­lis­tisch“ bleibt die Mobi­li­sie­rung gegen poli­ti­sche, mediale und intel­lek­tu­elle Eliten.”

Jen­ni­fer und Nata­scha stell­ten Fra­gen zu Unter­schie­den und Ver­gleich­bar­kei­ten des Auf­stie­ges der NSDAP in der Wei­ma­rer Repu­blik und heute. Leg­ge­wie zog gewisse Par­al­le­len zwi­schen 1928/30 und heute.

Zahl­rei­che Oberstufenschüler*innen der Ricarda-Huch-Schule Drei­eich, der Bertha-von-Suttner-Schule Mörfelden-Walldorf und der Dreieich-Schule Lan­gen berei­te­ten sich inhalt­lich auf das Podi­ums­ge­spräch mit ihm vor.

Leg­ge­wie sagt zur Frage der Schüler*innen wohin dies füh­ren kann: “Wo die Rechte erfolg­reich bei Wah­len ist, kann dies zu einer Domi­nanz ihrer The­men in den Medien und die Regie­rungs­bil­dung bzw. –fähig­keit erschwe­ren, auch zur Ein­be­zie­hung in Koali­tio­nen füh­ren, die das poli­ti­sche Spek­trum nach rechts ver­schie­ben. Wo die Rechte die Regie­rung stellt, kommt es zur Auf­he­bung von Bür­ger­rech­ten und zur Zer­stö­rung der Gewal­ten­tei­lung, bei Wider­stand dage­gen auch zu Staats­strei­chen und Bür­ger­krie­gen und zu Span­nun­gen in der inter­na­tio­na­len Politik.” 

Prof. Leg­ge­wie beim Beant­wor­ten der Frage einer Schü­le­rin der Bertha-von-Suttner-Schule.

Wie umge­hen mit Käst­chen und Schub­la­den, in die man gesteckt wird? fragt sie. — Auf jeden Fall: per­sön­lich nicht so ernst neh­men. Es gibt so viele Schub­la­den, in die wir alle stän­dig gesteckt wer­den könnten …

Zur Frage der Oberstufenschüler*innen, was man denn dage­gen tun könne, betont Leg­ge­wie als ers­tes, dass er — trotz der rea­len Gefah­ren, die er sehr wohl sehe, gewiss kein Fata­list sein. Doch man dürfe sich the­ma­tisch nicht mehr von der AfD beherr­schen las­sen, müse end­lich wie­der zu den wirk­lich bedeut­sa­men The­men wech­seln wie z.B. Kli­ma­schutz, sozia­ler Woh­nungs­bau, Besei­ti­gung des Stadt-Land-Gefälles, Ver­tie­fung der euro­päi­schen Union … Die Mobi­li­sie­rung, das Enga­ge­ment der Demo­kra­ten sei jetzt gefragt: Infor­ma­tion und akti­ves poli­ti­sches Enga­ge­ment in Par­teien, Gewerk­schaf­ten, Bürgerinitiativen!

Leg­ge­wies neu­es­tes Buch heißt: “Europa zuerst! Eine Unab­häng­g­keits­er­klä­rung.”  Darin schreibt er: In der heu­ti­gen poli­ti­schen Debatte spielt der euro­päi­sche Rechts­po­pu­lis­mus mit frem­den­feind­li­chen Paro­len eine viel zu große Rolle. Doch längst haben starke Gegen­be­we­gun­gen gebil­det, die sich ein frei­heit­li­ches, welt­of­fe­nes, gerech­tes Europa nicht neh­men las­sen wollen …”

Mit genauem Blick beschreibt und ana­ly­siert Claus Leg­ge­wie, einer der wich­tigs­ten Poli­to­lo­gen Deutsch­lands, ver­schie­dene pro­eu­ro­päi­sche Basis­be­we­gun­gen und Netz­werke in ver­schie­de­nen Län­dern des Kon­ti­nents: neue Par­teien, Ver­ei­ni­gun­gen , NGOs. Er macht deut­lich, warum sie die wah­ren Euro­päer sind, wie sie euro­pa­feind­li­chen Strö­mun­gen ent­ge­gen­tre­ten, aber auch, wie man den Still­stand der euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen über­win­den kann. Leg­ge­wie macht Hoff­nung: Das Europa der Zukunft ist basis­de­mo­kra­tisch, kos­mo­po­li­tisch, bür­ger­nah und sozial gerecht.

Zur Pres­se­be­richt­er­stat­tung in der Frank­fur­ter Neuen Presse

 

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir besucht das Horváth-Zentrum

Tarek Al-Wazir (Mitte) wird vom Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­den H.-P. Becker begrüßt. Links im Bild: Ger­hard Hech­ler, der die Dach­be­grü­nung aus­führte. Schräg hin­ter Herrn Al-Wazir: Rein­hold Buch, der uns bei der Pro­jek­tum­set­zung maß­geb­lich beriet.

Die Vor­stands­vor­sit­zende Cor­ne­lia Rüh­lig erklärt Aspekte der Geschichte des Lagers und der Archi­tek­tur des Horváth-Zentrums.
Lisa Lorenz, (rechts) ist per­sön­li­che Refe­ren­tin des Staatsministers.

 

Tarek Al-Wazir, hes­si­scher Minis­ter für Wirt­schaft, Ener­gie, Ver­kehr und Lan­des­ent­wick­lung, hatte uns 2017 bei der Finan­zie­rung der Dach­be­grü­nung finan­zi­ell unter­stützt und damals zugleich die Schirm­herr­schaft für einen zusätz­li­chen Spon­so­ren­lauf über­nom­men. Nur so war es mög­lich, dass die Grund­idee der Archi­tek­tur des Horváth-Zentrums, der “auf­ge­klappte Wald­bo­den” rea­li­siert wer­den konnte.

Damals luden wir ihn ein, sich von dem Gebäude und der Arbeit der Stif­tung selbst vor Ort einen eige­nen Ein­druck zu ver­schaf­fen. Am 11. Juli 2018 kam er im Rah­men sei­ner “Som­mer­tour” zu uns und nahm sich viel Zeit für zahl­rei­che Bei­träge von uns, aber auch für Ein­zel­ge­sprä­che, die er hin­ter­her mit vie­len der Anwe­sen­den führte.

 

Al-Wazir begrüßt die Anwe­sen­den und beschreibt dabei, welch große Bedeu­tung in sei­ner Bio­gra­phie die Begeg­nung mit Zeit­zeu­gen des Holo­caust hat. Da es aber lei­der immer weni­ger mög­lich sei, selbst Holo­caust­über­le­ben­den zu begeg­nen, nehme nun die Bedeu­tung des ein­zel­nen authen­ti­schen his­to­ri­schen Ortes sehr zu.

Katja Schü­ler (rechts) spricht aus unse­rem Kreis als erste. Ihre Groß­mut­ter war hier inhaf­tiert. Von ihr habe ich gelernt: “Frage nicht danach, wel­che Reli­gion oder Natio­na­li­tät jemand hat. Es zählt nur der Mensch.” Anschlie­ßend über­gibt an Eva Sze­pesi (Mitte), die als 12-jähriges Mäd­chen in Ausch­witz befreit wurde.

 

Klara Strompf schloss an die Rede­bei­träge von Katja Schü­ler und Eva Sze­pesi an. Sie stellte 1996 den Kon­takt zu Mar­git Hor­váth her, die Über­le­bende des Wall­dor­fer Lagers, die schließ­lich 2004 Namens­ge­be­rin unse­rer Stif­tung wurde. Klara Strompf arbei­tet seit­her uner­müd­lich mit bei der Recher­che nach Über­le­ben­den des Wall­dor­fer Lagers. Als sie das erste Mal hörte, dass sie hier in Wall­dorf eine Woh­nung direkt neben einer ehe­ma­li­gen KZ-Außenstelle gemie­tet hatte, wollte sie spon­tan: nur weg von hier! Nun — so for­mu­lierte sie — komme sie öfters hier­her, um inner­lich Ruhe zu fin­den. Zwei auf­wüh­lende Jahr­zehnte des Enga­ge­ments lie­gen hin­ter ihr, doch das Gebäude ist nun Zei­chen dafür, dass wir etwas Neues schaf­fen konn­ten — gerade auch für die Jugend. Ihre Ein­drü­cke von die­sem Tag drückt sie noch am glei­chen Abend in einem wun­der­schö­nen kur­zen Video­film aus.

Tim Fug­mann sprach über ver­schie­dene For­men des Anti­se­mi­tis­mus, die er an sei­ner Frank­fur­ter Schule erlebte. Dar­auf­hin initi­ierte er gemein­sam mit der SV der Abitu­ri­ent einen Pro­jekt­tag gegen Anti­se­mi­tis­mus für die gesamte Schule. Eva Sze­pesi kam als Zeit­zeu­gin an die Schule, andere Kurse besuch­ten an die­sem Tag das Horváth-Zentrum u.v.a.m.

Marc Klüber fer­tigte im Rah­men sei­nes Prak­ti­kums bei der Stif­tung einen Gedenk­stein an für sechs im Wall­dor­fer Lager ermor­dete junge Frauen. Er sprach dar­über, was es für ihn bedeu­tete, Buch­stabe für Buch­stabe die­ses Tex­tes in Stein zu hauen. Der Abitu­ri­ent ist zugleich gelern­ter Steinmetz.

Die Abitu­ri­en­tin Lea Anthes befragt als Co-Moderatorin ver­schie­dene junge Leute, die an Pro­jetk­ten der Stif­tung teil­nah­men bzw. der Stif­tung nahe ste­hen. Lea nahm 2017 an unse­rem inter­na­tio­na­len Jugend­work­shop in Sobi­bór teil.

 

Elena Gunici spricht als junge Roma. Noch vor weni­gen Jah­ren war sie obdach­los, schlief in Hof­ein­fahr­ten und bet­telete am Frank­fur­ter Haupt­bahn­hof. Durch ein Pro­jekt der Stif­tung bekam sie einen fes­ten Arbeits­ver­trag und eine Wohnung.

Tarek Al-Wazir über­reicht zum Schluss im Namen aller Anwe­sen­den Eva Sze­pesi einen Blu­men­strauß. Er dankt ihr für Ihr Kom­men und auch dafür, dass sie es auf sich nimmt, immer wie­der in Schul­klas­sen zu gehen und mit jugen Men­schen über ihre Erleb­nisse wäh­rend des Holo­caust zu sprechen.

Pres­se­be­richt­er­stat­tung:

Alex­an­der Koch schreibt am 13. Juli 2018 in der Neuen Presse: “Tarek Al-Wazir: Wir dür­fen nicht aufgeben.”

Sebas­tian Schwap­pa­cher schreibt im Freitags-Anzeiger.

Ein internationales Radioprojekt von jungen Leuten für junge Leute — 1. Thema: Jugendkultur in Teheran

Wäh­rend eines Skype-Interviews,Januar 2018.

Junge Leute aus dem Rhein-Main-Gebiet sky­pen über meh­rere Wochen hin­weg mit Jugend­li­chen aus Tehe­ran. Wie lebt man dort? Wel­che Musik mögen sie? Wie ist es mit der Stimme der Frauen im Iran? Wie mit dem Kopftuch/Hijab? Wo tref­fen sich die jun­gen Leute? Wie ist das Ver­hält­nis zwi­schen Pri­vat­heit und Öffent­lich­keit oder zwi­schen Staat und Gesell­schaft? Wie ist es mit dem Sport? Wer geht bei Fuß­ball­spie­len ins Sta­dion und wer nicht? … All dies und noch viel mehr dis­ku­tier­ten die jun­gen Leute leb­haft unter­ein­an­der per Skype oder auch Whatsapp.

Unser Rund­funk­sen­der ist: “RADIO X” — das unab­hän­gige und wer­be­freie Frank­fur­ter Stadtradio

zu hören als Livestream oder im Radio unter FM Fre­quenz 91,8.

Bei den Ton­auf­nah­men im Stu­dio, Februar 2018.

Im Stu­dio stell­ten wir auf der Grund­lage der davor­lie­gen­den locke­ren Gesprä­che gezielt noch­mals ein­zelne Fra­gen, die wir nun auf­nah­men und für die Sen­dung schnit­ten. In einer Col­lage mit Live­ge­sprä­chen mit den jun­gen Leu­ten in Frank­furt konn­ten wir am 16. März 2018 unsere erste Sen­dung im Stu­dio in Frankfurt-Bockenheim pro­du­zie­ren. Mode­ra­to­rin war Ulrike Hol­ler, über Jahr­zehnte bekannt als HR-Journalistin, in der Horváth-Stiftung seit Grün­dung im Juli 2004 aktiv.

Unser gro­ßer Dank gilt unse­ren Tehe­ra­ner Freun­den und natür­lich Radio X, die uns diese ein­stün­dige Sen­dung ermöglichte!

 

 

 

Den voll­stän­di­gen Mit­schnitt unse­rer Sen­dung vom 16. März fin­den Sie hier.

12. November 17 Uhr: “Wie kann man das Trauma der Flucht bewältigen?”

Am 12. November haben wir zu Gast die langjährige Direktorin des Frankfurter Sigmung-Freud-Institutes Frau Prof. Dr. M. Leuzinger.Bohleber.
Am 12. Novem­ber haben wir zu Gast die lang­jäh­rige Direk­to­rin des Frank­fur­ter Sigmund-Freud-Institutes Frau Prof. Dr. M. Leuzinger.Bohleber.

Wir müs­sen ihnen das Prin­zip Hoff­nung zurückgeben.“

Wer aus Krieg und Zer­stö­rung flieht, hat viele Gräu­el­ta­ten erlebt, den Ver­lust von Men­schen und Hei­mat. Ohne Hilfe bei der Bewäl­ti­gung die­ser Trau­mata sind die Ver­let­zun­gen noch in der zwei­ten und drit­ten Gene­ra­tion zu spü­ren. Auch des­we­gen hat das Land Hes­sen ein bun­des­weit ein­ma­li­ges Pilot­pro­jekt zur Betreu­ung von Frauen und Kin­dern im „Michae­lis­dorf“ bei Darm­stadt gestar­tet.„Wir müs­sen ihnen das Prin­zip Hoff­nung zurück­ge­ben“, sagt Prof. Dr. Mari­anne Leuzinger-Bohleber, die Lei­te­rin des Projektes.

Mit Hilfe von pro­fes­sio­nel­len und ehren­amt­li­chen Mit­strei­tern wird eine All­tags­struk­tur, ähn­lich einer dörf­li­chen Gemein­schaft, auf­ge­baut, um die Flücht­linge aus ihrer Iso­la­tion und Ein­sam­keit her­aus­zu­ho­len, um Ver­trauen auf­zu­bauen, um die Gefühle von Ver­zweif­lung, Ohn­macht und Hilf­lo­sig­keit abzu­bauen. Es gibt einen geschütz­ten Raum spe­zi­ell für Frauen ohne männ­li­che Beglei­tung, es gibt täg­li­che Ange­bote von Sprach­kur­sen bis zum Tanz. Wer sie nutzt, soll aber auch etwas zurück­ge­ben. Zwei Stun­den Eigen­in­itia­tive im Tausch für ein Ange­bot. „Das stei­gert das Selbst­wert­ge­fühl, der Mensch ist nicht mehr pas­siv und kein Bitt­stel­ler“, so Leuzinger-Bohleber. Nicht nur die Flücht­linge pro­fi­tie­ren vom mitt­ler­weile been­de­ten Pro­jekt, auch die Wis­sen­schaft tut es, denn man gewinnt neue Erkennt­nisse über Stra­te­gien zur Trauma­be­wäl­ti­gung. Die posi­ti­ven Ergeb­nisse der Betreu­ung sind Anreiz für andere Bun­des­län­der und Städte, ähn­lich inten­sive Ange­bote zu ent­wi­ckeln. In einer Lang­zeit­kon­trolle wird unter­sucht, wie die Flücht­linge an ihren neuen Auf­ent­halts­or­ten von Psy­cho­lo­gen und Psy­cho­the­ra­peu­ten auf­ge­fan­gen wer­den und ob durch die The­ra­pie die Inte­gra­tion ein­fa­cher wird.

Das Podi­ums­ge­spräch mit Prof. Dr. Mari­anne Leuzinger-Bohleber wird mode­riert von Ulrike Holler.

Ver­an­stal­tungs­ort: Museum Mör­fel­den, Lang­gasse 45, 64546 Mörfelden-Walldorf

Ein­tritt frei.

social bots

“Gefähr­den Mei­nungs­re­bo­ter die Wahlen?”

Ein Podi­ums­ge­spräch mit der Hes­si­schen Jus­tiz­mi­nis­te­rin Eva Kühne-Hörmann

Podiumsgespräch am 23. Mai 2017, 19 Uhr im Gallustheater Frankfurt a.M.
Podi­ums­ge­spräch am 23. Mai 2017, 19 Uhr im Gal­lus­thea­ter Frank­furt a.M.

 

In der aktu­el­len Dis­kus­sion um soge­nannte Fake-News in sozia­len Netz­wer­ken warnt die hes­si­sche Jus­tiz­mi­nis­te­rin Eva Kühne-Hörmann davor, das Pro­blem von Falsch­mel­dun­gen in sozia­len Netz­wer­ken zu unterschätzen:

„Oft reicht eine fal­sche Mel­dung aus, damit die gesamte Repu­blik dar­über dis­ku­tiert …  Dabei ist nicht der Inhalt der Falsch­mel­dun­gen allein ent­schei­dend. Die Mög­lich­keit, in weni­gen Minu­ten eine Lawine von  Des­in­for­ma­tio­nen in den sozia­len Medien zu ver­brei­ten, ist das eigent­li­che Pro­blem. Dar­über müs­sen wir dis­ku­tie­ren … Bei der Ver­brei­tung sol­cher Falsch­mel­dun­gen spie­len social bots, als Fake-Profile in sozia­len Medien eine große Rolle … Däm­men wir diese Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­näle ein, neh­men wir den Tätern eine ent­schei­dende Ver­triebs­mög­lich­keit,“ sagt die hes­si­sche Justizministerin.

Der Bun­des­rat hat ihren Vor­stoß auf natio­na­ler Ebene, die sog. „Hes­si­sche Botnetz-Initiative“ (BR-Drs. 338/16) bereits beschlos­sen; sie liegt jetzt dem Deut­schen Bun­des­tag vor.

Jan Eggers, Medi­en­ex­perte des Hes­si­schen Rund­funks, wird nach kur­zen sach­li­chen Erläu­te­run­gen zur Funk­tion und Wir­kungs­weise von social bots im Gespräch mit Frau Kühne-Hörmann genauer her­aus­ar­bei­ten, wo die Chan­cen und Gren­zen die­ses neuen straf­recht­li­chen Zugangs liegen.

Ulrike Hol­ler wird ein­gangs die Bedeu­tung der social bots als Form der Mei­nungs­be­ein­flus­sung bei Wah­len in den USA und in Europa beschreiben.

 

 

Heinrich Heine Vortrag

Am 14. Mai 2017 referiert Alfred J. Arndt im Mörfelder Museumsgarten über das starirische Versepos von Heinrich Heine "Deutschland. Ein Wintermärchen".
Am 14. Mai 2017 refe­riert Alfred J. Arndt im Mör­fel­der Muse­ums­gar­ten über das star­i­ri­sche Vers­epos von Hein­rich Heine “Deutsch­land. Ein Wintermärchen”.

"Im traurigen Monat November war's, Die Tage wurden trüber, Der Wind riß von den Bäumen das Laub, Da reist ich nach Deutschland hinüber..."
“Im trau­ri­gen Monat Novem­ber war’s,
Die Tage wur­den trü­ber,
Der Wind riß von den Bäu­men das Laub,
Da reist ich nach Deutsch­land hinüber…”