Die Margit-Horváth-Stiftung dankt ihrem bedeu­ten­den Weg­be­rei­ter Bern­hard Brehl.

Bern­hard Brehl prägte über drei Jahr­zehnte als Bür­ger­meis­ter von Mörfelden-Walldorf (1976 — 2007) das Leben die­ser Stadt: Ein Mensch mit einem hohen Gerech­tig­keits­sinn — bezo­gen auf die Gegen­wart und auf die Geschichte. Ein Mensch mit der Fähig­keit respekt­voll und prä­zise zuzu­hö­ren, dem Wil­len zu hel­fen und zudem der Krea­ti­vi­tät, immer wie­der neue Lösun­gen zu fin­den, die er stets auch noch ver­wal­tungs­tech­nisch kor­rekt zu ver­an­kern wusste. Ein Mensch, der es sich nicht leicht machte im Leben, einer, der seine Grund­werte kannte und sehr beharr­lich seine Ziele ver­folgte, so auch im Hin­blick auf die Auf­ar­bei­tung der NS-Zeit. Ohne sein Enga­ge­ment und ohne seine poli­ti­sche Rücken­de­ckung hätte die Margit-Horváth-Stiftung und das Horváth-Zentrum nicht ent­ste­hen können.

Sein Inter­esse an einer soli­den Auf­ar­bei­tung der NS-Vergangenheit begann schon früh …

Vor der NS-Herrschaft geflüch­tete ehe­ma­lige jüdi­sche Mör­fel­de­rin­nen und Mör­fel­den sind erst­mals offi­zi­ell wie­der in ihre frü­here Hei­mat­stadt ein­ge­la­den. Hier steht die Gruppe mit Bür­ger­meis­ter Brehl (2.v.l.) vor dem frü­he­ren Wohn­haus der Fami­lie Cohn, 1984.

Bür­ger­meis­ter Brehl gehörte Anfang der 1980er Jahre unter sei­nen hes­si­schen Amts­kol­le­gen zu den ers­ten, die eine umfang­rei­che Auf­ar­bei­tung der loka­len Geschichte des Anti­se­mi­tis­mus förm­lich vor­an­trie­ben. Was ihm eine Selbst­ver­ständ­lich­keit war, emp­fand manch eine*r damals auch als Zumu­tung. In zahl­lo­sen öffent­li­chen State­ments, Ver­an­stal­tun­gen und schrift­li­chen Begrün­dun­gen für Magis­trat und Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung ver­suchte Brehl immer wie­der inhalt­lich zu über­zeu­gen und setzte sich schließ­lich durch. Lite­ra­tur zum Thema erschien, Ver­an­stal­tun­gen zum Thema “All­tag unter dem Natio­nal­so­zia­lis­mus” wur­den häu­fig durch­ge­führt; der Kon­takt zu den Fami­lien der ehe­ma­li­gen Mörfelder*innen ist bis heute lebendig.

Die Ein­wei­hung des His­to­ri­schen Lehr­pfa­des beim Gelände der KZ-Außenstelle Wall­dorf im Bei­sein von Überlebenden

Bern­hard Brehl spricht anläss­lich der Ein­wei­hung des His­to­ri­schen Lehr­pfad rund um das Gelände der ehe­ma­li­gen KZ-Außenstelle Wall­dorf, Nov. 2000.
Die Begeg­nung mit 19 über­le­ben­den Jüdin­nen die­ses Lagers, die aus die­sem Anlass ein­ge­la­den wor­den waren, bezeich­net er immer wie­der als den bewe­gends­ten, aber auch schwie­rigs­ten Tag inner­halb sei­ner Tätig­keit als Bür­ger­meis­ter von Mörfelden-Walldorf. Er nennt ihn auch den für ihn per­sön­lich wich­tigs­ten Tag.

1944 waren in der KZ-Außenstelle Wall­dorf 1.700 junge unga­ri­sche Jüdin­nen inhaf­tiert. Sie wur­den von Auschwitz-Birkenau nach Wall­dorf depor­tiert, um für den Frank­fur­ter Flug­ha­fen, der damals unter mili­tä­ri­scher Hoheit stand, Roll­bah­nen zu bauen. Nach jah­re­lan­gen Recher­chen war es gelun­gen eine Ein­la­dung an die Über­le­ben­den aus­zu­spre­chen — gemein­sam mit der Stadt Frank­furt und der Fra­port AG. Bern­hard Brehl enga­gierte sich zudem immer wie­der, auch mit der Bau­firma Ed. Züb­lin Kon­takt auf­zu­neh­men, für die die Mäd­chen und Frauen damals gear­bei­tet hat­ten. Öffent­lich erschüt­tert zeigte er sich über das Ver­hal­ten die­ser Firma, bei der es weder Raum für eine Ent­schul­di­gung noch für eine Ent­schä­di­gung gab.

Die Grün­dung der Margit-Horváth-Stiftung im Juli 2004

Die Grün­dung der Margit-Horváth-Stiftung — Bern­hard Brehl hier in der ers­ten Reihe zwi­schen den KZ-Überlebenden Vera und Miki Dotan (li.) und (re.) Frau Ker­tész, der Holo­caust­über­le­ben­den Trude Simon­sohn und dem Reprä­sen­tan­ten der Jewish Claims Con­fe­rence Karl Bro­zik und Prof. Dr. Arno Lus­ti­ger, Wall­dor­fer Rat­haus Juli 2004

Mit Grün­dung der Margit-Horváth-Stiftung war für Bern­hard Brehl ein wich­ti­ges Ziel erreicht. Auf­gabe der Stif­tung sollte es sein, für junge Men­schen Pro­jekte zur Aus­ein­an­der­set­zung mit Geschichte und Gegen­wart zu ent­wi­ckeln. Das ent­sprach ihm durch und durch. Wie oft hatte er sich schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren als Bür­ger­meis­ter für päd­ago­gi­sche Pro­jekte in Schule, Jugend­zen­tren und freier Trä­ger­schaft eingesetzt!

Es war der Wunsch von Mar­git Hor­váth, die die Stif­tungs­grün­dung durch die Über­las­sung ihres sog. “Ent­schä­di­gungs­gel­des” ange­regt hatte, dass man sich bei der Pro­jekt­ar­beit mit den jun­gen Men­schen nicht aus­schließ­lich auf Fra­gen des Anti­se­mi­tis­mus kon­zen­triere, son­dern grund­sätz­lich Fra­gen der Dis­kri­mi­nie­rung von Min­der­hei­ten behan­dele. “Damals waren wir es, die Juden, die zum Sün­den­bock gemacht wur­den. Aber wer weiß, wer es das nächste Mal sein wird. Wir müs­sen vor­be­rei­tet sein,” sagte Mar­git Hor­váth und sprach damit zugleich Bern­hard Brehl aus dem Her­zen. Gerne über­nahm er daher auch den Kura­to­ri­ums­vor­sitz für die fol­gen­den 13 Jah­ren und prägte so die Stif­tungs­ar­beit in ihrer ent­schei­den­den Phase.

Die Eröff­nung des Horváth-Zentrums — eine Gedenk– und Bildungsstätte

Das Horváth-Zentrum mit den Namen und Fotos von ehe­ma­li­gen Inhaf­tier­ten.
Dass ein solch ein­drucks­vol­les Gebäude über den Aus­gra­bun­gen des ehe­ma­li­gen Lager­kel­lers ent­ste­hen konnte, damit hatte ursprüng­lich nie­mand gerech­net.
Mög­lich wurde dies durch die Arbeit der jugend­li­chen Projektteilnehmer*innen in den sog. “work and study camps” und durch die Beharr­lich­keit, mit der sich auch Bern­hard Brehl immer wie­der für die Unter­stüt­zung durch aus­wär­tige Spon­so­ren einsetzte.

Die­ses Gebäude ent­stand 32 Jahre, nach­dem sich Bern­hard Brehl erst­mals vehe­ment für die Auf­ar­bei­tung der Geschichte des Anti­se­mi­tis­mus in Mörfelden-Walldorf enga­giert hatte. Mit der Ein­la­dung der ehe­ma­li­gen jüdi­schen Mitbürger*innen von Mör­fel­den und der Ein­wei­hung eines Gedenk­stei­nes am ehe­ma­li­gen Stand­ort der Syn­agoge hatte er 1984 begon­nen, im Herbst 2016 lud er zur Eröff­nung des Horváth-Zentrums, eine Gedenk– und Bil­dungs­stätte für die Jugend, ein.

Bern­hard Brehl ist uns ein Vor­bild in sei­ner Ziel­stre­big­keit, sei­ner Beharr­lich­keit, in sei­nen Grund­wer­ten, sei­ner stets sozia­len Hand­lungs­ori­en­tie­rung und sei­nem kon­ti­nu­ier­li­chen Enga­ge­ment für die Jugend. Wir haben ihm unend­lich viel zu ver­dan­ken. Unver­ges­sen wird er blei­ben und fort­le­ben in all dem, was er geschaf­fen hat und wofür er per­sön­lich stand. Eine per­sön­lich aus­ge­spro­chen beschei­dene und außer­ge­wöhn­li­che Per­sön­lich­keit, beschei­den aber nie in dem, was er errei­chen und durch­set­zen wollte. Danke, dass wir so vie­les gemein­sam erle­ben, initi­ie­ren und rea­li­sie­ren konnten!

Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, Weg­ge­fähr­ten, Kol­le­gen und Freunde dan­ken Bern­hard Brehl in einem gemein­sam unter­zeich­ne­ten Nach­ruf. Abge­druckt wurde die­ser am 30. Juli 2020 in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung, der Frank­fur­ter Rund­schau, dem Groß-Gerauer Echo und Frei­tags– Anzeiger.

Anzeige und Nach­ruf auf Bern­hard Brehl in der Regio­nal­presse, hier: FR 30.7.2020

 

zurück …

Bern­hard Brehl

 

Offi­zi­el­ler Nach­ruf der Stadt Mörfelden-Walldorf für ihren Ehren­bür­ger­meis­ter Bern­hard Brehl, Freitags-Anzeiger vom 9. Juli 2020

 

Bern­hard Brehl bei der Ent­hül­lung des Gedenk­stei­nes am ehe­ma­li­gen Stand­ort der Mör­fel­der Syn­agoge, 1984.

 

 

 

 

Über­le­bende der KZ-Außenstelle-Walldorf wäh­rend der Ein­wei­hung des His­to­ri­schen Lehr­pfa­des rings um das ehe­ma­lige Lager­ge­lände, Nov. 2000

 

Peter Härt­ling, Bür­ger von Mörfelden-Walldorf und lang­jäh­ri­ger Freund von B. Brehl spricht anläss­lich der Eröff­nung des His­to­ri­schen Lehr­pfa­des, Nov. 2000.

 

 

 

“Klez­mers Tech­ter” spie­len bei der Grün­dung der Margit-Horváth-Siftung im Wall­dor­fer Rat­haus, 2004

 

Prof. Dr. Arno Lus­ti­ger, Ausch­witz­über­le­ben­der, His­to­ri­ker und Grün­dungs­mit­glied der Horváth-Stiftung spricht immer wie­der direkt die Jugend an: “Ihr seid das Salz der Erde!” Arno Lus­ti­ger und Bern­hard Brehl ver­band eine hohe gegen­sei­tige Wertschätzung.

 

In “Inter­na­tio­nal work and study camps”  der Horváth-Stiftung legen junge Men­schen aus aller Welt, Mau­er­reste eines ehe­ma­li­gen Lager­kel­lers frei.

 

 

Staats­mi­nis­ter Axel Win­ter­meyer betont das große Enga­ge­ment von B. Brehl, das letzt­lich  zur Rea­li­sie­rung des Horváth-Zentrums führte. Er spricht als Reprä­sen­tant der Flug­ha­fen­stif­tung und des Lan­des Hes­sen mit Kevin Peters, dem Enkel einer Über­le­ben­den des Wall­dor­fer Lagers. 

 

 


Schüler*innen der Ricarda-Huch-Schule Drei­eich stel­len Sze­nen zur Geschichte der KZ-Außenstelle Walldorf. 

 

 

 

Klara spielt die “Unga­ri­schen Tänze” von Johan­nes Brahms — ein Dank der Schüler*innen für das, was mit dem Horváth-Zentrum geschaf­fen wurde.

 

 

Bereits als Bürgermeister von Mörfelden-Walldorf unterstützte Bernhard Brehl die Aufarbeitung der Geschichte der KZ-Außenstelle. Heute ist er Kuratoriumsvorsitzender der Margit-Horváth-Stiftung.
Bern­hard Brehl am Abend nach der Grün­dung der Margit-Horváth-Stiftung, Juli 2004.