Wie das Inter­net auch die Mei­nungs­frei­heit ein­schrän­ken kann – ein Blick nach China

Seit Jahr­zehn­ten berich­ten west­li­che Medien über Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in China. Die Unter­drü­ckung von Min­der­hei­ten in Tibet und Xin­jiang, die Ver­fol­gung der Falun Gong, aber auch die Ein­schrän­kung der Presse– und Mei­nungs­frei­heit ste­hen zurecht immer wie­der im Fokus. 2016 brachte Prä­si­dent Xi Jin­ping dies bei einem Besuch der staat­li­chen „Volks­zei­tung“ auf den Punkt als er sagte, alle Medien in China soll­ten „mit Fami­li­en­na­men „Par­tei“ hei­ßen“ und sich aus­nahms­los „am Wil­len, an den Ansich­ten, an der Auto­ri­tät und an der Ein­heit der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei“ orientieren.

Zwei Jahre spä­ter erwirkte eben jener Xi Jin­ping, dass das Maxi­mum von zwei Amts­pe­rio­den für den Prä­si­den­ten aus der Ver­fas­sung gestri­chen wurde. Damit hatte Xi seine unein­ge­schränkte Herr­schaft auf Lebens­zeit gesichert.

Es ist wahr, dass es kaum hör­ba­ren Pro­test gegen die­sen Schritt des Prä­si­den­ten gab. Doch dies bedeu­tet nicht, dass die Ver­fas­sungs­än­de­rung auf unge­teilte Zustim­mung stieß. Wenige Tage bevor der Schritt öffent­lich wurde, hatte der Men­schen­rechts­an­walt Yu Wens­heng einen Alter­na­tiv­vor­schlag ver­öf­fent­licht. Er wurde umge­hend inhaf­tiert. Ein weni­ger bekann­tes Bei­spiel ist die Pekin­ger Bür­ge­rin Zhao Xiaoli, die nur einen Tag nach Bekannt­wer­den der Ver­fas­sungs­än­de­rung schrieb:

Meta­phern, chi­ne­sisch “Yǐnyù”, sind ein belieb­tes Mit­tel um die chi­ne­si­sche Zen­sur im Inter­net zu umge­hen. Schrift: priv.

„Seit zwan­zig Jah­ren habe ich gelernt mich zu schüt­zen, wenn ich meine Mei­nung aus­drü­cke. Aber unser Ver­ste­cken hin­ter Meta­phern, hin­ter zwei­deu­ti­ger Spra­che, hin­ter Schwei­gen, hin­ter ver­stoh­le­nen Bli­cken – all das hat uns weder Stärke noch neue Räume geschaf­fen. Aber im Gegen­zug für unser Schwei­gen haben die Herr­schen­den nur die Macht des Vol­kes mit Füßen getre­ten. Für unser Schwei­gen haben wir nur die Gier nach Macht von Dik­ta­to­ren und Auto­kra­ten bekommen.

Ich habe Angst. Wenn ich mich äußere, habe ich die Angst den Preis dafür zu zah­len. Wenn ich nicht spre­che, dann habe ich Angst den Rest mei­nes Lebens in Scham und Schmerz zu ver­brin­gen. Weil es uner­träg­lich ist, nein, weil es das äußerste Extrem des Uner­träg­li­chen ist, werde ich nicht län­ger schwei­gen. Ich werde keine Satire dar­aus machen und kei­nen Sar­kas­mus nut­zen. Ich will mein Recht als Bür­ge­rin der Volks­re­pu­blik China wahr­neh­men. Ich sage öffent­lich, dass ich gegen den „Vor­schlag des Zen­tral­ko­mi­tees der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­nas hin­sicht­lich der Ände­rung der Ver­fas­sung“ bin. Ich bin gegen die Strei­chung der Amts­zeit­be­gren­zung für Prä­si­dent und Vize­prä­si­dent der Volks­re­pu­blik China. Diese Ver­fas­sungs­än­de­rung wäre ein Mit­tel von Dik­ta­to­ren, um die Macht zu ergrei­fen. Es wäre ein Rück­schritt für mein Land, ein Ver­rat an den Idea­len der seit ein­hun­dert Jah­ren wäh­ren­den Revo­lu­tion. Der soziale Ver­trag und die bür­ger­li­chen Rechte wer­den mit Füßen getreten.

Das ist meine Mei­nung. Ich weiß, dass viele Men­schen sie tei­len, aber wir wur­den ver­ein­zelt, abge­lenkt, unei­nig… seit so lan­ger Zeit. Wir waren so lange klein und schwach und so lange gefan­gen in Metaphern.“

Zhao Xiaoli schreibt, sie habe nicht nur Angst, chi­ne­sisch “Jiāolǜ”, vor den Kon­se­quen­zen, wenn sie Kri­tik äußert, son­dern auch davor, sich zu schä­men die Kri­tik nicht zum Aus­druck gebracht zu haben.

Die­ser Ein­trag ist sehr mutig. Er deu­tet zudem an, dass es vor nicht allzu lan­ger Zeit Mög­lich­kei­ten der Mei­nungs­äu­ße­rung in China gab, wenn auch zumeist nur in Meta­phern, in zwei­deu­ti­gen Begrif­fen. Das Medium die­ser Debat­ten war das chi­ne­si­sche Äqui­va­lent zu Twit­ter: Weibo.

In öffent­li­chen, halb­öf­fent­li­chen und geschlos­se­nen Chats ent­wi­ckelte sich Weibo ab 2009 in kür­zes­ter Zeit zu einem Sprach­rohr für hun­derte Mil­lio­nen von chi­ne­si­schen Internetnutzer*innen. Wenn die chi­ne­si­sche Zen­sur einen Begriff auf den Index setzte, dann wurde er ein­fach durch einen ähn­lich lau­ten­den Begriff ersetzt. Selbst über die Zen­sur konn­ten die Chines*innen spot­ten: Im Jar­gon der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei wird bei Zen­sur von der Her­stel­lung von „Har­mo­nie“ gespro­chen. Das chi­ne­si­sche Wort für „Fluss­krebs“ klingt ähn­lich wie „Har­mo­nie“. Und so spra­chen bald viele Kritiker*innen von den „Fluss­kreb­sen“, wenn sie über Zen­sur klag­ten. Damals, vor nicht ein­mal zehn Jah­ren, schien sich zu bewahr­hei­ten, was der frü­here US-Präsident im März 2000, ange­spro­chen auf chi­ne­si­sche Bestre­bun­gen das Inter­net zu kon­trol­lie­ren, gesagt hatte: „Viel Glück. Dies ist, als wollte man Wackel­pud­ding an die Wand nageln.“

Das Wort “Fluss­krebs”, chi­ne­sisch “Héxiè”, sieht ganz anders aus als…
… das Wort “Har­mo­nie”, “Héxié”, wird aber fast iden­tisch ausgesprochen.

Im Som­mer 2016, als die Frei­hei­ten schon wie­der mas­siv ein­ge­schränkt waren, saß ich mit einem Beam­ten der Cyber­be­hörde Chi­nas in der Pekin­ger Nach­mit­tags­sonne. Rück­bli­ckend sagte er, dass nie­mand glaubte, die Kri­tik jemals wie­der ein­fan­gen zu kön­nen. Aber als Xi Jin­ping an die Macht kam, ent­wi­ckelte sich die Grund­hal­tung:  Wir müs­sen es ver­su­chen! Wenn diese „Ret­tungs­ak­tion“, wie er sie wört­lich nannte, nicht funk­tio­niert, dann war Xi der letzte Prä­si­dent der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei in China. Hin­ter­grund der Sor­gen der Herr­schen­den war nicht zuletzt die Rolle der sozia­len Medien bei den Auf­stän­den des Ara­bi­schen Früh­lings 2011. Und so beschlos­sen die Macht­ha­ber drei Schritte:

Stufe 1:

2013 ernannte Xi Jin­ping Lu Wei zum Vor­sit­zen­den der Zen­tra­len Füh­rungs­gruppe für das Cyber­space. Als ers­tes führte Lu die Klar­na­men­re­gis­trie­rung ein. Anbie­ter von sozia­len Medien und Dienst­leis­tun­gen muss­ten ihre Kund*innen mit ihrem ech­ten Namen und ihrer Han­dy­num­mer regis­trie­ren. Zunächst wur­den sie gezwun­gen die Infor­ma­tio­nen auf Anfrage mit den Behör­den zu tei­len. Spä­ter ent­sandte die Cyber­be­hörde gleich selbst ihre Mit­ar­bei­ter in die größ­ten chi­ne­si­schen Techfirmen.

Selbst­zen­sur, chi­ne­sisch “Zìwǒ shěn­chá”, ist, was sich viele Inter­net­platt­for­men in China selbst auf­er­le­gen — aus Angst, dass sie die meist vagen Vor­ga­ben der Regie­rung nicht einhalten.

Stufe 2:

Als nächs­tes ver­schärfte Lu ein bereits zuvor prak­ti­zier­tes Prin­zip: er machte die Anbie­ter der Inter­net­platt­for­men ver­ant­wort­lich für den Inhalt, der auf ihren Platt­for­men ver­öf­fent­licht wurde. Zugleich gab seine Behörde nur vage Anwei­sun­gen. Die Platt­for­men rea­gier­ten mit Selbst­zen­sur. Sie leg­ten die Anwei­sun­gen der Cyber­be­hörde so aus, dass sie mög­lichst nicht belangt wer­den konnten.

Stufe 3:

Und schließ­lich ließ Lu Wei eine Reihe an chi­ne­si­schen Pro­mi­nen­ten für das Ver­brei­ten von „Gerüch­ten“ ver­haf­ten. Der Sinn war schnell erfasst: Es soll­ten abschre­ckende Bei­spiele geschaf­fen wer­den. Dies war nicht nur brei­ten­wirk­sam, son­dern die Behör­den knüpf­ten auch an eine aus ihrer Sicht bewährte Pra­xis an: Zen­siert wird nicht unbe­dingt, was kri­tisch ist, son­dern das, was viel­fach gele­sen ist. Die glei­che Aus­sage kann in einem Fall unbe­ach­tet im Netz blei­ben und in einem ande­ren Fall zu einer Ver­haf­tung füh­ren, wenn sie von vie­len gele­sen oder gar noch geteilt wird.

In Lus ers­ten zwei Jah­ren im Amt wur­den 15.000 Internetnutzer*innen für Ver­ge­hen im Netz ver­haf­tet. Spä­ter aber kam auch für Lu das jähe Ende sei­ner Kar­riere: Wegen Kor­rup­tion wurde er zu einer lang­jäh­ri­gen Gefäng­nis­strafe ver­ur­teilt. Doch da hatte die Par­tei das Inter­net schon unter ihre Kon­trolle gebracht.

Auch vor Lu Wei war das Inter­net in China bereits mas­siv ein­ge­schränkt. Die „Great Fire­wall” unter­bin­det bei­spiels­weise den Zugriff auf eine Reihe aus­län­di­scher Inter­net­sei­ten. Über soge­nannte vir­tu­elle pri­vate Netz­werke (VPNs) gibt es zwar die Mög­lich­keit diese Sei­ten den­noch auf­zu­ru­fen. Doch wer­den diese VPNs erstaun­lich wenig genutzt, wie mir der Beamte der Cyber­be­hörde erzählte. Intern spre­che man von der „90/10 Regel“: 90% der Internetnutzer*innen haben einen VPN Kli­en­ten und wis­sen, wie man ihn nutzt. Aber nur 10% machen davon regel­mä­ßig Gebrauch. Der Grund ist ein­fach: Die meis­ten Chines*innen sehen kei­nen Anlass. Sie ver­trauen weder den chi­ne­si­schen noch den west­li­chen Medien, nicht zuletzt auch des­halb, weil letz­tere sich häu­fig auf nega­tive Ent­wick­lun­gen in China kon­zen­trie­ren, die die kleine Oppo­si­tion im Land betref­fen, nicht aber mit den All­tags­er­fah­run­gen der gro­ßen Mehr­heit der Men­schen korrespondiert.

Doch es waren nicht nur diese Maß­nah­men, die der Par­tei hal­fen das Inter­net wie­der unter ihre Kon­trolle zu brin­gen. Denn bei aller Kri­tik gelang es der Par­tei, ihr Han­deln als Ver­trauen stif­tende Maß­nahme zu ver­kau­fen. Seit Jah­ren hat­ten weite Teile der chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rung das Gefühl ein Ver­fall von gesell­schaft­li­cher Moral zu erle­ben. Sinn­bild­lich wurde ein Video aus Süd­china, auf dem zu sehen ist, wie ein Auto ein Kind anfährt, die­ses ver­letzt lie­gen bleibt und anschlie­ßend Dut­zende vor­bei­ge­hen – ohne zu hel­fen. Ein ande­res Bei­spiel, das viral ging, han­delt von einem alten Mann, der sich beim Aus­stei­gen aus dem Bus ver­letzte. Ein Pas­sant half dem alten Mann, brachte ihn ins Kran­ken­haus, war­tete die Unter­su­chungs­er­geb­nisse ab und brachte ihn schließ­lich nach Hause. Wenige Tage spä­ter zeigte ihn der alte Mann an und behaup­tete, der Pas­sant habe ihn geschupst und damit die Ver­let­zung ver­ur­sacht. Zum Ent­set­zen der Inter­net­ge­meinde wurde der Pas­sant in ers­ter Instanz schul­dig gespro­chen. Die Begrün­dung: Dass er im Kran­ken­haus gewar­tet habe, sei Beleg für seine Schuldgefühle.

Unter sei­ner Regie brachte der chi­ne­si­sche Par­tei­staat das Inter­net wie­der unter seine Kon­trolle: Lu Wei. Aus: wikipedia.

Im Zuge der rapi­den Digi­ta­li­sie­rung und einem emp­fun­de­nen Ero­die­ren tra­di­tio­nel­ler Moral ver­sprach der Staat mit mehr Kon­trolle, auch durch digi­tale Medien, wie­der Ord­nung her­zu­stel­len. Und die Bevöl­ke­rung? Sie glaubte es in wei­ten Tei­len. So schrieb die Frau­en­rechts­ak­ti­vis­tin Xiao Meili ein­mal auf Weibo:

„Es wer­den auch Social media Accounts gelöscht, die nur Witze und Gos­sip ver­brei­ten. Es gibt viele Ver­mu­tun­gen, aber nie­mand kennt die Gründe dafür. Viel­leicht weiß noch nicht ein­mal die­ser große Appa­rat selbst, der in sich nicht einig ist, was die Gründe sind. Aber was wir sicher wis­sen ist, dass diese Maschine zuneh­mend tun kann, was sie will. Das Mons­ter wächst. Es gibt Men­schen, die haben mir Kom­men­tare geschickt wie diese: „Warum ver­su­chen sie nicht andere Men­schen ein­zu­schüch­tern? Warum beläs­ti­gen sie nur dich? Was ist das Pro­blem mit dir?“ Und ich ver­stehe sie: Men­schen, die in einer Umge­bung leben, in der Wider­stand nicht erlaubt ist, glau­ben sehr leicht an das, was ihnen die Mäch­ti­gen sagen. Wie soll­ten sie sonst mit ihrer Situa­tion fer­tig wer­den?! Es braucht Mut die Wahr­hei­ten der Welt, in der wir leben, zu akzeptieren.“

Der lang­jäh­rige Kor­re­spon­dent der Süd­deut­schen Zei­tung, Kai Stritt­mat­ter, berich­tet ganz ähnlich:

„Die­sen Gedan­ken hörte ich öfter. „Die wah­ren Pech­vö­gel in die­sem Sys­tem sind die, die es durch­schaut haben,“ sagte mir eine Pekin­ger Leh­re­rin. „Am bes­ten, du bleibst einer von denen, die durch­ein­an­der und bene­belt durchs Leben gehen, dann bist du auf der siche­ren Seite.“ Und der Künst­ler Ai Wei­wei schrieb ein­mal auf Twit­ter: „Sobald du ver­suchst dein Vater­land zu ver­ste­hen, hast du dich schon auf den Pfad des Ver­bre­chens bege­ben.“ Den selbst­mör­de­ri­schen Weg der Bür­ger­rechts­an­wälte und Dis­si­den­ten zu gehen ist nur weni­gen gege­ben, den ande­ren macht die Erkennt­nis das Leben in der Lüge nur qualvoller.“

Die Coro­na­pan­de­mie hat die Lage in China nur noch ver­schlim­mert. Jetzt sind es nicht nur mora­li­sche Sor­gen, son­dern auch gesund­heit­li­che, die in der brei­ten Bevöl­ke­rung zu einem Ruf nach staat­li­cher Kon­trolle führen.

Als Xi Jin­ping 2012/2013 an die Macht kam, galt China bereits als unfrei. Die ame­ri­ka­ni­sche NGO „Free­dom House“ misst jedes Jahr den Grat der Frei­heit auf der gan­zen Welt und quan­ti­fi­ziert ihn auf einer Skala von 0 bis 100. Als Xi Prä­si­dent wurde, lag Chi­nas Wer­tung bei „17“, wobei 100 das größte Aus­maß an Frei­heit bedeu­tet. Schon damals war die Frei­heit also gering. Heute, keine zehn Jahre spä­ter, ist der Wert auf „9“ gesun­ken. Auf nied­ri­gem Niveau hat sich die Frei­heit in China unter Xi noch ein­mal fast hal­biert. Was das Han­deln von Xi Jin­ping und Lu Wei aber auch zeigt, ist, dass die mäch­tigste Auto­kra­tie der Welt bis heute die Kraft des Wor­tes, der freien Rede fürch­tet. Die Pekin­ge­rin Zhao Xiaoli schreibt:

“Xīwàng”, die Hoff­nung hat Frau Zhao noch nicht verlassen.

„Selbst wenn man nichts ver­än­dern kann, haben Wör­ter Macht. Gespro­chene Wör­ter sind viel mäch­ti­ger als geheime Mei­nun­gen. Worte, die öffent­lich wer­den, sind so viel ein­fluss­rei­cher als geflüs­terte Unter­hal­tun­gen. Expli­zite Oppo­si­tion ist viel kraft­vol­ler als die Meta­pher. Wenn du auch glaubst, dass dies ein kri­ti­scher und ver­zwei­fel­ter Moment ist, dann gib nicht die Kraft der Wör­ter auf. Warte nicht auf den Tag, an dem wir Worte nicht mehr benut­zen können.“

 

Gao Zhis­heng (geb. 1964) ist Men­schen­rechts­an­walt. Zur­zeit ist er „ver­misst“. Er unter­stützte und beriet häu­fi­ger Ange­hö­rige reli­giö­ser Min­der­hei­ten wie Falun Gong oder Mit­glie­der christ­li­cher Haus­kir­chen. Gao ist selbst Christ. 2005 ent­zog ihm die Jus­tiz­be­hörde seine Zulas­sung als Anwalt. „Ver­misst“ (d.h. in inof­fi­zi­el­ler Haft) war er bereits von 2009–2011, anschlie­ßend ein paar Jahre in Haft. In der jet­zi­gen Situa­tion ruft amnesty dazu auf, Briefe an den Minis­ter für öffent­li­che Sicher­heit zu schrei­ben. Aus: wikipedia.

Ilham Tohti (geb. 1969), Pro­fes­sor für Wirt­schafts­wis­sen­schaft; er kri­ti­sierte den Umgang der chi­ne­si­schen Regie­rung mit der uigu­ri­schen Min­der­heit, der er selbst ange­hört.
„Ich weiß nicht mal, ob mein Vater noch lebt,” sagt seine Toch­ter 2019, als sie für ihn in Brüs­sel den Men­schen­rechts­preis des EU-Parlamentes ent­ge­gen­nimmt. („Sacharow-Preis“). „Das letzte Mal spre­chen konnte ich ihn 2014. 2017 habe ich das letzte Mal von ihm gehört.“
Tohti wurde 2014 „wegen Sepa­ra­tis­mus“ zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Er hatte 2006 das 
Inter­net­por­tal Uyghu­rOn­line gegrün­det. Ver­bo­ten wurde es mit dem Vor­wurf, dass es Unru­hen unter den Uigu­ren beför­dere. Tohti ver­trat die Inter­es­sen der Uigu­ren und war zugleich stets um eine Ver­stän­di­gung mit den Han-Chinesen bemüht. Aus: wikipedia.

Liu Xiaobo (1955 — 2017), Schrift­stel­ler, Lite­ra­tur­kri­ti­ker, Men­schen­rechts­ak­ti­vist, Nobel­preis­trä­ger, Dozent an der Päd­ago­gi­schen Uni­ver­si­tät in Peking und seit 2003 Prä­si­dent des Pen-Clubs China. 2008 unter­stützte er mit 302 ande­ren Intel­lek­tu­el­len das im Inter­net ver­öf­fent­lichte Bür­ger­rechts­ma­ni­fest Charta 08, wurde dar­auf­hin wegen „Unter­gra­bung der Staats­ge­walt“ fest­ge­nom­men und 2009 zu elf Jah­ren Haft ver­ur­teilt. 2017 ver­starb er an einer Krebs­er­kran­kung in Haft. Aus: wikipedia.

Ren Zhi­qiang (geb. 1951), Unter­neh­mer, Immo­bi­li­en­ma­na­ger, Blog­ger und schar­fer Kri­ti­ker von Xi Jin­ping. Er bezeich­net z.B. die chi­ne­si­sche Corona-Politik als ver­ant­wor­tungs­los und nennt den Prä­si­den­ten im Inter­net anonym “Clown, der keine Klei­der anhat und trotz­dem fest ent­schlos­sen ist, den Kai­ser zu spie­len.” Dar­auf­hin wird er sehr schnell ver­haf­tet und noch 2020 zu 18 Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Ange­klagt wird er — wie dies oft bei Regime­kri­ti­kern geschieht — nicht wegen sei­ner Kri­tik, son­dern wegen Kor­rup­tion, Ver­un­treu­ung öffent­li­cher Gel­der und Macht­miss­brauch. Ren soll sei­nen kri­ti­schen Essay ursprüng­lich nur im Freun­des­kreis geteilt haben. Ein Ande­rer soll ihn öffent­lich gemacht haben. Ren ist seit lan­gem als schar­fer Kri­ti­ker bekannt; 37 Mio Fol­lo­wer hatte er bei Weibo zu Anfang der 2000er Jahre; vor eini­gen Jah­ren wurde dann sein Konto in sozia­len Netz­wer­ken ganz gesperrt. Aus: wikipedia.

 

Im Jahr 2008, kurz bevor in Peking die Olym­pi­schen Spiele in einem neuen, auf­se­hen­er­re­gen­den Sta­dion, das als „Vogel­nest“ bekannt wurde, eröff­net wur­den, erschüt­terte ein schwe­res Erd­be­ben die Pro­vinz Sichuan. Der Künst­ler Ai Wei­wei, der auch am Design des „Vogel­nests“ betei­ligt gewe­sen war, recher­chierte die Namen der Toten. Dar­un­ter waren viele Jugend­li­che, die zum Zeit­punkt des Bebens in den Schu­len gewe­sen waren. Viele Schul­ge­bäude waren ange­sichts von Kor­rup­tion mit erheb­lich schlech­te­ren Sicher­heits­stan­dards gebaut. So zog Ai den Zorn des Regimes auf sich, erlitt bei den Recher­chen auf­grund von Poli­zei­ge­walt gar eine Hirn­blu­tung. Ein Jahr spä­ter wurde sein Blog gesperrt. Ai Wei­wei pro­tes­tierte immer wie­der in den unter­schied­lichs­ten Wei­sen gegen die KP-Herrschaft. Gegen seine Über­wa­chung pro­tes­tierte er bei­spiels­weise, indem er in sei­nem Pri­vat­haus Kame­ras instal­lierte und diese live ins Inter­net über­trug. 2011 war Ai in Haft, hatte bis 2015 Aus­rei­se­ver­bot. Nach meh­re­ren Jah­ren in Ber­lin lebt er heute in Großbritannien.

Wei Jingsheng (geb. 1950) zählt zu den bedeutendsten politischen Dissidenten der Volksrepublik China. Er beteiligte sich aktiv an der Demokratiebewegung, die nach dem Tod Maos (1976) entstand, schrieb einflussreiche Texte für die Wandzeitungen im sog. „Pekinger Frühling“ (1978); 1979 wurde er festgenommen und wegen „Geheimnisverrat“ zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung engagiert er sich erneut für die Demokratisierung Chinas, wird wieder verhaftet und nun (1995) wegen des „Versuchs die Regierung zu stürzen“ angeklagt. 1996 wird ihm der Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlamentes verliehen. Durch internationalen Druck wird er 1997 vorzeitig freigelassen und sofort in die USA abgeschoben. Auch von dort aus engagiert er sich weiter für die Demokratisierung Chinas und gründet die Overseas Chinese Demoracy Coalition. Aus: wikipedia.
Wei Jings­heng (geb. 1950) zählt zu den bedeu­tends­ten poli­ti­schen Dis­si­den­ten der Volks­re­pu­blik China. Er betei­ligte sich aktiv an der Demo­kra­tie­be­we­gung, die nach dem Tod Maos (1976) ent­stand, schrieb ein­fluss­rei­che Texte für die Wand­zei­tun­gen im sog. „Pekin­ger Früh­ling“ (1978); 1979 wurde er fest­ge­nom­men und wegen „Geheim­nis­ver­rat“ zu 15 Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Nach sei­ner Ent­las­sung enga­giert er sich erneut für die Demo­kra­ti­sie­rung Chi­nas, wird wie­der ver­haf­tet und nun (1995) wegen des „Ver­suchs die Regie­rung zu stür­zen“ ange­klagt. 1996 wird ihm der Sacharow-Menschenrechtspreis des Euro­päi­schen Par­la­men­tes ver­lie­hen. Durch inter­na­tio­na­len Druck wird er 1997 vor­zei­tig frei­ge­las­sen und sofort in die USA abge­scho­ben. Auch von dort aus enga­giert er sich wei­ter für die Demo­kra­ti­sie­rung Chi­nas und grün­det die Over­seas Chi­nese Demo­racy Coali­tion. Aus: wikipedia.

 

Xu Zhiyong (geb. 1973) Ist Rechts­an­walt und seit Jah­ren eine wich­tige Per­sön­lich­keit der Demo­kra­tie– und Bür­ger­rechts­be­we­gung. Im Februar 2020 wurde er erneut ver­haf­tet, nach­dem er in offe­nen Brie­fen und online-Posts die Regie­rung kri­ti­siert hatte. Die Anklage zielt auf „Unter­gra­bung der Staats­ge­walt“; dar­auf steht bis zu 15 Jah­ren Haft. Aus: wikipedia.