Übergabe von 10.000 Euro durch den Rotary Club Rüsselsheim/Groß-Gerau!
Am 22. Februar 2007 übergab Dr. May, der diesjährige Pärsient des Rotary Clubs Rüsselsheim/Groß-Gerau,
in einem feierlichen Rahmen einen Scheck an die Margit-Horváth-Stiftung.
Der Kuratoriumsvorsitzende, Bürgermeister a.D. Bernhard Brehl, begrüßte die Anwesenden.
Dr. May begründete in seiner Ansprache den Umfang der Spende mit der bisher von der Margit-Horváth-Stiftung
geleisteten Arbeit zur internationalen Verständigung und dass damit eine nachhaltige Förderung erreicht wird.
Er verwies weiterhin auf die Stimmigkeit zwischen den Zielsetzungen der Margit-Horváth-Stiftung und denen von
Rotary im Allgemeinen sowie seinem derzeitigen rotarischen Jahresmotto "Aus dem Verstehen der Vergangenheit
die Zukunft gestalten".
Für die Margit-Horváth-Stiftung dankte die Vorstandsvorsitzende Cornelia Rühlig dem Rotary Club für das große
Vertrauen, das damit der Stiftungsarbeit ausgesprochen werde. Dabei nahm Rühlig den Faden von Dr. May nochmals
auf und führte aus:
„Aus der Geschichte lernen - dies bezieht sich nicht einfach auf ein faktische Wissen, ein Wissen über
differenzierte Geschichtskenntnisse. Wichtig ist vielmehr die Frage: Was haben die jungen Menschen im Rahmen
der Entwicklung ihrer Persönlichkeit gelernt? Wie wurde diese gefördert?"
Gleichzeitig wurde der Anlass genutzt um von den Erfahrungen des letzten Camps in Ungarn und der Vorführung des Films „Die Rollbahn“ in New York zu berichten. Dazu waren die Jugendlichen, die an diesen Fahrten teilgenommen hatten, anwesend und formulierten in eindrucksvoller Weise, was sie von den beiden Fahrten für sich erfahren und mitgenommen haben. So formulierte beispielsweise die 19-jährige Yuliya Rabinovich:
„Ich konnte mir früher gar nicht vorstellen, wie Menschen, die den Holocaust selbst erlebt haben, die Kraft finden weiter zu leben.
Die Antwort auf diese Frage gab mir Vera Dotan, eine Überlebende der KZ-Außenstelle Walldorf, die uns auf unserer Reise in Ungarn begleitet hat. Sie verkörperte für uns alle Optimismus und innere Stärke. In Budapest trafen wir weitere Holocaustüberlebende...
Das Besondere für mich an diesen Menschen war, dass bei ihnen zwei ganz unterschiedliche Gefühle – ein Gefühl der Traurigkeit und ein Gefühl der Freude am Leben – in ihrem Herzen dicht verknüpft sind.
Ihre Vergangenheit, die das Gefühl der Traurigkeit und des unendlichen Leidens zum Ausdruck bringt, werden sie nie aus dem Herzen verdrängen.
Doch heute haben sie die Fähigkeit zu lachen, sie haben strahlende Augen.
Ich glaube manchmal, durch alles, was sie erlebt haben, haben sie den Sinn und die Werte des Lebens tiefer verstanden als andere.“
Leonie Englert (15 Jahre alt) verlas ein Resümee, das die 21-jährige Studentin Julia Bilyk aus Kiew geschickt hatte:
„Die Teilnahme war für mich wie ein Hinausgehen in andere, weitere, größere Maßstäbe, in die Geschichte anderer Staaten, in die Schmerzen anderer Völker... Dieses Projekt in Ungarn hat mir die allerwichtigste Sache beigebracht: Je näher wir uns selber kommen, desto näher kommen wir den anderen. Das ist meiner Auffassung nach der einzige Weg zur Verständigung. Nur wenn du dir selbst zuhören kannst, bist du auch in der Lage, den anderen zuzuhören. Nur die innere Einstellung, offen zu sein, ermöglicht diesen Prozess der Verständigung. […]
Untereinander waren wir sehr verschieden. Es gab bei uns manchmal Diskussionen. Das war auch sehr wichtig. Das hat uns geholfen, immer auf der Suche zu sein – nach der Antwort, nach den Kompromissen, nach den Erklärungen. Jeder hatte seine eigene Stellungnahme, aber wir versuchten uns darauf nicht einzuschränken. Einmal habe ich dazu etwas Glänzendes gehört: „Man soll sich auf seinem Standpunkt auch bewegen“. Die Zeit in Ungarn hat mich davon überzeugt.“
Die 18-jährige Jana Hechler formulierte abschließend:
„Das Projekt hat mir einen neuen Blickwinkel für die Vergangenheit, den Holocaust, geöffnet. Daraus ergab sich für mich als Konsequenz, noch mehr als zuvor für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Gleichheit zu kämpfen und gegen Antisemitismus und Rassismus aufzustehen. In gewisser Hinsicht hat jeder Mensch die Pflicht dazu, wir als Deutsche jedoch ein Stückchen mehr und vielleicht wir, die in den „Genuss“ dieser Erfahrungen kamen, noch ein bisschen mehr, weil wir nicht nur wissen, sondern weil wir gesehen, gehört und gefühlt haben. Die Grundwerte waren wohl schon immer in mir verankert, sonst hätte ich wohl kaum an einem solchen Projekt teilgenommen, aber durch meine Erfahrungen sind sie noch konkreter und stärker geworden. Und so wünsche ich mir Freiheit, Menschlichkeit und Gleichheit für jeden und bin auch bereit, dazu beizutragen, dass wir dieses hohe Ziel eines Tages erreichen, aber dazu müssen wir reden: Wir müssen über die Vergangenheit, aber auch über die Gegenwart reden, damit Antisemitismus, Rassismus, aber auch Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit keine Chance haben und nicht einen zentralen Platz in der Gesellschaft einnehmen.“
Zuvor hatte Cornelia Rühlig nochmals auf den Anspruch der Stiftung hingewiesen:
„Durch die Beschäftigung mit Geschichte wollen wir die Persönlichkeits- entwicklung der Jugendlichen fördern und zu gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein erziehen. Umfangreiche Sach- und Fachdiskussionen sind dabei nur ein Teil. Wir stellen immer wieder an die Jugendlichen die Frage: Was bedeutet das für mich?“
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